Juni 10, 2026

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Anthropic veröffentlicht Claude Fabel 5 mit strengen Einschränkungen

Anthropic veröffentlicht Claude Fabel 5 mit strengen Einschränkungen

Der KI-Anbieter Anthropic hat mit Claude Fabel 5 ein neues Sprachmodell vorgestellt, das nach Angaben des Unternehmens leistungsfähiger sein soll als alle bisher öffentlich verfügbaren Systeme des Konzerns. Die Veröffentlichung erfolgt in einer Phase, in der zahlreiche KI-Unternehmen auf hohe Bewertungen und mögliche Börsengänge setzen. Entsprechend groß ist der Druck, technologische Fortschritte möglichst spektakulär zu präsentieren.

Allerdings handelt es sich bei Claude Fabel 5 nicht um die vollständige Version des zugrunde liegenden Modells. Die eigentliche Plattform trägt den Namen Claude Mythos 5 und bleibt zunächst ausschließlich Behörden wie der National Security Agency sowie ausgewählten US-Unternehmen vorbehalten.

Claude Mythos 5 bleibt vorerst nicht öffentlich zugänglich

Nach Angaben von Anthropic ist Fabel 5 eine eingeschränkte Variante von Mythos 5. Hintergrund ist ein Sicherheitsprojekt mit dem Namen „Glasswing“, das offenbar in Zusammenarbeit mit der US-Regierung umgesetzt wird. Besonders sensible Funktionen in den Bereichen IT-Sicherheit, Biologie und Chemie sollen dadurch kontrolliert werden.

Der Ansatz folgt einer bekannten Strategie der KI-Branche: Unternehmen argumentieren, dass neue Modelle so leistungsfähig seien, dass ein uneingeschränkter öffentlicher Zugang Risiken mit sich bringen könnte. Während solche Begründungen bislang meist auf Cybersicherheit beschränkt waren, erweitert Anthropic die Debatte nun auch auf wissenschaftliche Anwendungen.

Sorge vor sogenannter Wissensübertragung

Ein zentraler Punkt ist die sogenannte Wissensübertragung. Dabei werden neue KI-Modelle nicht direkt mit Rohdaten trainiert, sondern mit den Antworten bereits bestehender Sprachmodelle. Diese Methode kann sinnvoll sein, etwa um kompaktere oder effizientere Systeme zu entwickeln. Gleichzeitig gilt sie in der Branche zunehmend als mögliches Sicherheitsrisiko.

Anthropic hatte bereits im Februar mehreren chinesischen Wettbewerbern vorgeworfen, groß angelegte Angriffe auf Claude durchgeführt zu haben. Genannt wurden dabei unter anderem die Unternehmen Deepthink, Minimax und Moonshot. Laut Anthropic sollen mehr als 24.000 gefälschte Nutzerkonten eingesetzt worden sein, um rund 16 Millionen entsprechende Anfragen zu erzeugen.

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Neue Kontrollsysteme sollen Missbrauch verhindern

Um solche Szenarien einzudämmen, setzt Anthropic verstärkt auf sogenannte Prüfmodelle. Dabei handelt es sich um kleinere KI-Systeme, die Nutzereingaben überwachen und bewerten. Erkennt das System potenziell problematische Anfragen, reagiert Claude Fabel 5 auf ungewöhnliche Weise: Statt die Bearbeitung vollständig abzulehnen, wird automatisch auf das ältere Modell Claude Opus 4.8 umgeschaltet.

Dieser Wechsel wird den Nutzern sichtbar angezeigt. In Online-Foren häufen sich jedoch bereits Beschwerden über Fehlentscheidungen. Nutzer berichten, dass selbst harmlose medizinische Fragen – etwa zur Auswertung von Blutwerten – als verdächtig eingestuft worden seien.

Kritiker werfen Anthropic deshalb vor, die Sicherheitsmechanismen möglicherweise auch zur Entlastung der Serverinfrastruktur einzusetzen. Das ältere Modell Opus 4.8 benötigt deutlich weniger Rechenleistung als Fabel 5.

Mehrere Versionen für unterschiedliche Nutzergruppen geplant

Branchenbeobachter gehen inzwischen davon aus, dass Anthropic künftig mindestens vier Varianten von Claude Mythos parallel betreiben wird.

Verschiedene Modelle mit unterschiedlichen Beschränkungen

  • eine Vollversion für US-Behörden,
  • eine Variante für ausgewählte IT-Unternehmen,
  • eine wissenschaftliche Version mit gelockerten Regeln für Forschung in Biologie und Chemie,
  • sowie Claude Fabel 5 als öffentliche Bezahlversion.

Dieses Modell erinnert an Entwicklungen in anderen Technologiebereichen, bei denen leistungsstarke Systeme zunächst exklusiv staatlichen oder industriellen Partnern zur Verfügung stehen.

Deutlich höhere Preise für Nutzer

Für bestehende Claude-Abonnenten bringt die Einführung ebenfalls Veränderungen mit sich. Claude Fabel 5 ist nicht Bestandteil der regulären Abonnements. Nutzer der Tarife Pro, Max oder Team können das Modell zwar testweise verwenden, allerdings verbraucht jede Anfrage während der Testphase die doppelte Menge an Recheneinheiten.

Anschließend erfolgt die Abrechnung ausschließlich über Guthaben. Die Preise liegen dabei ebenfalls doppelt so hoch wie bei Claude Opus 4.8. Für eine Million Eingabe-Recheneinheiten werden 10 US-Dollar fällig, während Ausgabe-Recheneinheiten mit 50 US-Dollar pro Million berechnet werden. Auch Zwischenspeicher-Funktionen kosten deutlich mehr.

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Gerade in Europa dürfte diese Preisstruktur Unternehmen und Entwickler genau kalkulieren lassen. Angesichts steigender Energiekosten und hoher Infrastrukturpreise wächst der wirtschaftliche Druck im KI-Sektor ohnehin bereits erheblich.

Starke Leistungen bei Bilderkennung und Programmierung

Anthropic testete Mythos 5 und Fabel 5 in insgesamt dreizehn Leistungsvergleichen. Nach Unternehmensangaben schnitt das neue Modell in elf Kategorien besser ab als alle bisherigen öffentlich verfügbaren Claude-Versionen.

Besonders hervorgehoben wird die Fähigkeit zur Bilderkennung. Laut Anthropic kann Fabel 5 präzise Werte aus komplexen wissenschaftlichen Diagrammen auslesen und sogar Quellcode von Internetanwendungen anhand von Bildschirmaufnahmen rekonstruieren.

Auch bei KI-gestützten Computerspieltests habe das Modell Fortschritte gezeigt.

Mehr fehlerhafte Antworten als frühere Modelle

Trotz der Leistungssteigerung gibt es offenbar weiterhin Schwächen. In einigen Tests erzeugen Mythos 5 und Fabel 5 häufiger sogenannte Halluzinationen – also falsche oder erfundene Informationen – als ältere Claude-Versionen.

Details dazu finden sich in der umfangreichen technischen Dokumentation des Unternehmens, die mit 319 Seiten eher den Umfang eines Fachbuchs erreicht. Darin beschreibt Anthropic nicht nur technische Eigenschaften des Systems, sondern auch mögliche Risiken und Grenzen der neuen Modellgeneration.

Mit Claude Fabel 5 zeigt sich damit erneut der grundlegende Konflikt der KI-Branche: Einerseits steigt der Wettbewerb um immer leistungsfähigere Systeme, andererseits wachsen zugleich die Sorgen über Kontrolle, Sicherheit und den Zugang zu dieser Technologie.