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Willkommen, heute ist der 16.08.2018 :: English ::
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Interview mit Prashant Jaiswal

Prashant Jaiswal (35), auch bekannt unter seinem früheren Namen Prashant Prabhakar zählt zu den wenigen Indern, die es in Deutschland geschafft haben, sich einen Namen zu machen. Seit er vor acht Jahren nach Deutschland gekommen ist, gilt sein Streben der Karriere als Schauspieler. Bereits in Indien arbeitete Prashant als Model und Schauspieler. Bekannt geworden ist der bekennende Amitabh Bachchan Fan vor allem durch seine Rolle in der bekannten Pro7-Serie "Stromberg" mit Christoph Maria Herbst in der Hauptrolle und durch die "Frosta"-Werbung für Bami Goreng.


BNA-Germany: Vor kurzem konnte Dich ganz Deutschland beim "Perfekten Dinner", einer beliebten Sendung auf VOX sehen.

Prashant: Ja, vom 28. Juni bis 2.Juli war ich auf VOX zu sehen. In der Sendung vom 1.Juli war ich selbst mit Kochen dran und die Leute konnten sehen, wie der indische Schauspieler Prashant lebt. Ich konnte vorher nicht über die Sendung reden, weil ich mich vertraglich zur Verschwiegenheit verpflichtet hatte. Und ich respektiere diese Regelungen und halte mich auch gern daran.

BNA-Germany: In einem Interview mit Dir war zu lesen, dass Du Deutschland vor allem wegen seiner Ordnung und Bürokratie liebst. Wie meintest Du das?

Prashant: Deutschland übertreibt manchmal mit seiner Bürokratie. Aber dadurch hat es Deutschland jedoch geschafft, eines der besten Länder der Welt zu sein, in Sachen Ordnung oder systematische Mülltrennung. Somit hat Bürokratie und Reglementierung auch einen Wert.

BNA-Germany: Wenn wir zurückblicken auf Deine Karriere, dann ist es so, dass "Humraah -The Traitor" Dein erster Kinofilm hier in Deutschland war. Seitdem bist Du in etlichen TV-Serien und Filmen aufgetreten, wie zum Beispiel in "Stromberg".

Prashant: Ja, ich spielte auch im "Tatort", "Stromberg" oder "Aktenzeichen XY". Es sind zu viele Produktionen, in denen ich bereits mitgespielt habe. Auf meiner Internetseite findet man eine komplette Filmografie.

BNA-Germany: Du hast ja auch in dem Kinofilm "Wüstenblume" mitgespielt. Dieser Film wurde dieses Jahr für den Deutschen Filmpreis in Berlin nominiert.

Prashant: Die Filmverleihung fand im Friedrichstadtpalast in Berlin statt und ich durfte auch über den Roten Teppich gehen. Leider hat unser Film nicht gewonnen, aber wurde zumindest nominiert, was schon eine große Auszeichnung ist.

BNA-Germany: Wie war denn diese Erfahrung für Dich? Welche Prominenz hast Du treffen können?

Prashant: Ich habe meine Arbeitskollegin Felicitas Woll getroffen, mit der zusammen ich in "Küss Dich reich" gespielt hatte, ein Film, der neulich auf Sat.1 gezeigt wurde. Dann habe ich Alexandra Maria Lara, Miriam Pielhau und Nina Eichinger getroffen. Nina Eichinger ist eine ganz liebe Frau. Sie war bei "Deutschland sucht den Superstar" Jurymitglied" und ist super nett und bodenständig. Dann habe ich auch Axel Stein getroffen. Er kannte mich auch von "Stromberg". Ach und die Schauspielerin Eva Habermann habe ich getroffen und Bettina Zimmermann und natürlich Angela Merkel. Achso und ich habe auch Michael "Bully" Herbig getroffen. Mit dem habe ich mich auch sehr gut verstanden.

BNA-Germany: Haben Dich diese Leute auch gekannt oder erkannt und wussten, wer Du bist?

Prashant: Nein nicht alle. Aber ich bin ein sehr offener Mensch und gehe auch auf die Leute zu und sage ihnen "Ich bin Prashant, lebe seit acht Jahren in Deutschland und habe in diesen oder jenen Produktionen mitgespielt." Die meisten kennen mich durch "Stromberg", oder auch durch die Frosta-Werbung oder die Mc Donald's Werbung. Nicht nur hier in Deutschland, sondern auch in Österreich.

BNA-Germany: Du lebst in Göttingen. Erkennen Dich die Leute dort schon auf der Strasse?

Prashant: Nach der Frosta-Werbung ist es sehr positiv geworden. Die Deutschen sind Menschen, die sehr vorsichtig sind. Wenn in Indien ein Star auf der Strasse läuft, rennen die indischen Fans gleich hinterher und fragen sofort nach Autogrammen und Fotos. Hier in Deutschland gehen die Leute sehr dezent mit Stars um. Sie flüstern mit ihren Freunden "Hey, ist das nicht der und der?! Den kennt man von der Frosta-Werbung". Neulich bin ich mit dem Bus gefahren und als ich aussteigen wollte, rief mir plötzlich jemand hinterher und meinte "Du bist doch der Inder von Frosta". Neulich war ich trainieren, bei mir in Göttingen bin ich gejoggt, weil ich einen so trainierten Bauch haben will, wie Henning Baum. Den hattest Du ja auch getroffen, als ich in München gedreht habe. Plötzlich holten einige Leute ihre Handys raus und machten Fotos von mir.

BNA-Germany: Und wie fühlt es sich an? Fühlst Du dich belästigt in solchen Situationen?

Prashant: Nein überhaupt nicht. Die meisten Leute fragen ja, ob sie ein Foto machen dürfen, oder ob sie eine Autogrammkarte bekommen könnten. Ausserdem bin ich auch kein A-Promi oder eine grosse Nummer in Deutschland. Es passiert auch nicht jeden Tag, dass ich angesprochen werde. Aber bis jetzt ist es sehr angenehm erkannt und angesprochen zu werden.

BNA-Germany: Hast Du denn immer Autogrammkarten bei Dir, wenn Du unterwegs bist?

Prashant: Nein, aber meine Agentur schickt mir per Post immer ein paar Autogrammkarten zu. Die meisten Leute fragen jedoch über die Agentur nach Autogrammen und dann schicke ich den Leuten die Autogramme über die Agentur.

BNA-Germany: Und wie heisst Deine Agentur?

Prashant: ZAV Köln.

BNA-Germany: Welche Ziele und Träume hast Du bezüglich deiner Schauspielkarriere. Möchtest Du weiterhin in Deutschland drehen oder vielleicht einmal in einer indischen Produktion mitwirken?

Prashant: Da ich Deutsch einigermaßen gut beherrsche und auch in einigen großen und bekannten Filmen und TV-Serien mitgespielt habe, habe ich vor, weiter Fuss zu fassen in Deutschland. Momentan sind die Dreharbeiten zu einer ARD Produktion und einem Kinofilm in Planung. Gottseidank sind auch die Zeiten vorbei, in denen ich Bewerbungen schreiben musste, um für Filmrollen vorsprechen zu dürfen. Ich möchte sehr gern weiterhin in Deutschland als Schauspieler arbeiten. Wenn ich nach Indien gehen würde, müsste ich nochmals kämpfen und wieder von Casting zu Casting rennen und mich vorstellen. Da habe ich keinen Bock drauf. Da habe ich auch mehr Konkurrenz, weil es in Indien viele Top Schauspieler gibt. Wenn allerdings aus Bollywood ein Angebot kommen würde, würde ich das sicher machen. Seit 35 Jahren habe ich allerdings einen großen Traum: mit Amitabh Bachchan zusammen in einem Film zu spielen. Durch ihn bin ich überhaupt Schauspieler geworden.

BNA-Germany: Momentan spielst Du in all Deinen Rollen ja den Inder mit all den Klischees, die es in Deutschland über Inder und Indien gibt. Möchtest Du von diesem Image wegkommen?

Prashant: Viele Journalisten fragen mich das. Aber ich bin nunmal Inder. Ich kann keinen Tatort-Kommissar spielen. Ich kann keinen Deutschen spielen - ich bin nicht hellhäutig oder blond.

BNA-Germany: Wieso denn kein indischer Tatort-Kommissar. Es muss ja nicht sein, dass Du nur den indischen Blumenverkäufer oder Teppichverkäufer spielen musst.

Prashant: Den Blumenverkäufer brauchte ich bisher zum Glück nur einmal spielen, in Oliver Pochers Film "Vollidiot". Und diese Szene wurde Gottseidank rausgeschnitten. Ich bin sehr froh, dass diese Szene raus ist. Ich habe meine Gage und alles bekommen, tauche aber nicht im Film auf. Dieses Klischee möchte ich nicht unbedingt spielen. Aber als Schauspieler muss man auch bereit sein, alle Rollen zu spielen. Da ich Inder bin und mit indischem Akzent Deutsch spreche und auch wie ein Inder aussehe, muss ich natürlich hauptsächlich Inder spielen. Ab und zu macht es mich traurig, dass ich keine anderen Rollen angeboten bekomme. Meist bin ich der Computer-Inder, der indische Restaurantbesitzer und so weiter.

BNA-Germany: Welchen Klischees seitens der Deutschen bezüglich Indern begegnest Du durch Deine Arbeit als Schauspieler?

Prashant: Meist werden Rollen als indischer Restaurantbesitzer, indischer Swami, indischer Guru, indischer Yoga-Lehrer angeboten. Alles Rollen, die ich in Indien ungern gemacht habe und hier machen muss.

BNA-Germany: Du bedienst also die Klischees, die in deutschen Köpfen vorhanden sind?

Prashant: Ja, genau. Aber ich kann auch nichts anderes erwarten. Ich bekomme zum Beispiel keine Rolle als Gärtner, weil Inder keine typischen Gärtner sind. Das machen die Deutschen, sie nehmen auch Bohrmaschinen in die Hand und handwerkern fleissig. Inder machen sowas nicht, oder zumindest habe ich das noch keinen Inder machen sehen. Aber ich bin trotzdem sehr froh.

BNA-Germany: Ein Großteil Deiner Familie lebt ja in Indien. Wie reagiert Deine Familie und Deine Freunde in Indien auf Deine schauspielerischen Erfolge hier in Deutschland?

Prashant: Zunächst einmal waren sie stolz, als ich Indien verlassen hatte, um nach Deutschland zu kommen. Sie hatten vorher gehört, dass die Deutschen kalt und unfreundlich sind. Ich konnte ihnen jedoch versichern, dass das nicht der Fall ist, sondern dass so wie man in den Wald hineinruft, es auch wieder heraus schallt. Deutsche sind eine der besten Landsleute, die ich kennengelernt habe. Und innerhalb so kurzer Zeit, die ich in Deutschland lebe, habe ich soviele Auftritte im Fernsehen und Kino, im Internet, Radio und in Zeitungen und bin recht erfolgreich in Deutschland. Ich weiss nicht, ob ich jemals soviel Erfolg in Indien gehabt hätte, obwohl ich die Sprache dort beherrsche und die Mentalität kenne. Ich habe wirklich sehr viel Glück in Deutschland und meine Familie ist auch sehr stolz. Und durch mich hat Deutschland in meinem Freundes- und Familienkreis in Indien auch einen besseren Ruf. Sie denken nicht mehr, dass alle Deutschen ausländerfeindlich sind und kalt und unfreundlich. Alle ungebildeten Leute in Indien verbinden Deutschland noch immer mit Adolf Hitler und den Zweiten Weltkrieg. Aber die heutige Generation Deutsche haben damit nichts zu tun und sind auch nicht dafür verantwortlich. Das müssen manche Inder noch verstehen. Meine Familie ist stolz, dass ich hier in Deutschland bin, wo alles, bis auf das Wetter und das Essen wunderbar ist.

BNA-Germany: Hast Du denn die Möglichkeit gehabt, Deiner Familie Deine Filme vorzuspielen und zu zeigen.

Prashant: Ja, immer wenn ich nach Indien fliege, nehme ich mein Showreal mit und zeige es meiner Familie. Es ist zwar fast alles auf Deutsch, aber ich übersetze es ihnen dann.

BNA-Germany: Welches sind die schönsten und welches die schrecklichsten Momente Deiner bisherigen Karriere gewesen?

Prashant: Schreckliche Momente waren die, als ich in Deutschland versucht habe, mich als Schauspieler zu etablieren. Ich musste immer überall Fotos hinschicken und lange Bewerbungsbriefe schreiben, um den Agenturen zu erklären, wer ich bin. Das muss ich jetzt zum Glück nicht mehr machen, weil mich die Leute jetzt kennen. Ich verweise sie dann meist auf meine Webseite und erwähne "Stromberg" oder "Frosta" und schon wissen die Leute, wer ich bin und geben mir meist die Rolle als Inder in ihren Produktionen. Jetzt muss ich nicht mehr selbst aktiv suchen, sondern die Rollenangebote kommen zu mir. Und wenn ich Zeit habe, nehme ich die Rollen auch an. Schöne Momente sind die, wenn ich ein Engagement habe, die Reise bezahlt bekomme, vom Bahnhof oder Flughafen abgeholt und zum Hotel gebracht werde. Schlechte Momente hingegen sind, wenn man wochenlang warten muss, bis ein neuer Auftrag kommt. Um mich in dieser Zeit zu beschäftigen und auch Kontakte zu knüpfen und Erfahrungen zu sammeln, spiele in in solchen Zeiten auch in Kurzfilmen mit, wo man manchmal nur wenig oder auch gar kein Geld verdient.

BNA-Germany: Welchen großen Traum in der Schauspielerei möchtest Du dir noch erfüllen?

Prashant: Ich bin ein sehr großer Fan von Bollywood Filmen, weil man in diesen zwei oder drei Stunden Film all seine schauspielerischen Talente und jede Form von Gefühlen zeigen kann. MEin Traum wäre hier in Deutschland mal die Rolle des Bösewichts oder des Romantikers zu spielen. Aber das hat sich leider bisher noch nicht ergeben. Es ist mein Traum in einem Film all meine Fähigkeiten zeigen zu können. Komödien hingegen könnte ich sicher nicht so gut spielen momentan. Da muss ich noch lernen.

BNA-Germany: Wieso?

Prashant: Es ist sehr schwierig, Leute zum Lachen zu bringen. Der deutsche Humor ist ein anderer als der indische. In Indien wäre es einfacher für mich, Komödien zu spielen. Aber in Deutschland muss ich mich noch soweit anpassen, um zu wissen, wie die Leute reagieren und wie man sie zum Lachen bringt. Das ist nicht einfach.

BNA-Germany: Arbeitest Du auch als Model?

Prashant: Was heisst Model?! Ich habe Werbung gemacht für Siemens oder Skoda Octavia. Ich habe Werbung gemacht für Frosta und Herlitz. Neulich habe ich eine Werbung für InterSolar in München gemacht. Und dabei helfen mir vor allen meine professionellen Fotos, die ich habe machen lassen. Zu Hause habe ich über 3000 Fotos von mir mit denen ich mich dann bewerben kann.

 

Weitere Informationen zu Prashant:
http://www.prashant.de

 

Fotos© Prashant Jaiswal.

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