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Interviews (bis 2010)
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Guten Tag, heute ist der 20.06.2018 :: English ::
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Interview mit Shashi Tharoor

Shashi Tharoor

Shashi Tharoor, der 1956 in London geboren wurde und in Mumbai, Kalkutta und Delhi zur Schule ging und in den USA studierte, ist Sekretär für Öffentlichkeitsarbeit der UNO in New York. Seine Karriere bei der UNO begann bereits 1978 als Friendensberater in Genf. Letztes Jahr war er sogar Kandidat für die Nachfolge des Generalsekretärs Kofi Annan, legte jedoch seine Kandidatur nieder,nachdem Vorwahlen zu Gunsten seines Konkurrenten, dem südkoreanischen Außenminister Ban Ki-Moon, entschieden. Mittlerweile will sich Shashi Tharoor komplett aus den Geschäften der UNO zurückziehen.

Zudem ist Shashi Tharoor Kolumnist für Zeitungen wie "The Hindu" und seit Januar 2007 auch für "The Times Of India".

Neben der Politik machte er sich jedoch auch einen Namen als Buchautor und verschaffte sich mit Werken wie "Indien" (1997), "Der Große Roman Indiens" (1989) und "Show Business" (dt."Bollywood") (1992) einen Namen und gewann auch diverse Buchpreise für seine Werke."Show Business" diente als Romanvorlage für den Film "Bollywood" und wurde u.a. ins Deutsche, Französische, Polnische, Russische, Rumänische und Spanische übersetzt.

 

BNA-Germany lernte den charismatischen Mann bereits auf der Frankfurter Buchmesse im Oktober 2006 kennen. Dort war er Gastautor und stellte dem Publikum sein Buch "Show Business" vor, welches in Deutschland unter dem Titel "Bollywood" zu erwerben ist. Viele Bollywood-Interessierte in Deutschland haben das Buch bereits gelesen und die Parallelen des im Buch Beschriebenen zu lebenden Schauspielern und Begebenheiten entdecken können. Für BNA-Germany Grund genug, um Shashi Tharoor zu den Hintergründen seines Romans zu befragen:

 

BNA: Sie haben soviele Jahre für die UNO gearbeitet, waren letztlich sogar Unter-Generalsekretär für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. Nun möchten Sie die UNO verlassen. Was wird dieser bedeutende Schritt in Ihrem Leben ändern? Werden Sie jetzt mehr Zeit finden, Bücher zu schreiben?

Shashi Tharoor: Das hoffe ich doch! Aber ich muss auch weiterhin mein Leben machen.

 

BNA: Wie konnten Sie überhaupt all die letzten Jahre Zeit finden, soviele Bücher zuschreiben, wo Sie doch als UNO-Sekretär tätig und vollbeschäftigt waren?

Shashi Tharoor: Indem ich nicht genug Schlaf hatte! Ich musste viele Sachen aufgeben: Freunde, das gesellschaftliche Leben und eben auch Schlaf, um mich an den Wochendenden, Ferien und Abenden dem Schreiben zu widmen.

 

BNA: Wie konnten Sie ein Buch wie "Show Business", mit all den detailierten Informationen über die indische Film-Industrie, die Medien und die indische Politik schreiben?

Shashi Tharoor: Ich war einst in Indien auf "Heimaturlaub" und stellte einige Nachforschungen an, indem ich Mumbais "Film City" besuchte. Meine Beschreibungen sind wirklich aus erster Hand.

 

BNA: Was wissen Sie über den Zusammenhang zwischen der Film-Industrie und der Mafia; zwischen Schauspielern und Produzenten einerseits und den Dons der Unterwelt, wie Ibrahim Dahwood andererseits?

Shashi Tharoor: Sehr wenig. Es war damals noch nicht so ein Thema, asl ich meine Nachforsungen in den Jahren 1989/90 anstellte. Erst die Jahre danach wurde es zu einem der dominantesten Themen, wenn es um Bollywood ging.

 

BNA: Seit den 90er Jahren vergeben auch Banken Kredite an Film-Produzenten, damit deren Projekte realisiert werden können - und nicht von der Mafia finanziert werden müssen. Wie, glauben Sie, wird dadurch der Einfluss der Mafia auf Bollywood heute beeinflusst?

Shashi Tharoor: Vollkommen: Früher gab es Leute, die bereits waren, ihr Geld in riskante Unternehmen wie Bollywood Filme zu investieren. Das waren Leute mit viel Geld.Sie konnten dieses Geld nicht legal investieren oder gegenüber dem Finanzamt als Augaben geltend machen. Und dadurch bildeten sich die kriminellen Machenschaften.

 

BNA: Mögen Sie persönlich Bollywood-Filme; wenn ja, welche?

Shashi Tharoor: Ich mag die Bollywood Filme aus meiner Jugend "Aaradhana", "Jawani Diwani", "Andaz", "Kati Patang", "Annand", "Victoria Number 203" oder "Zanjeer". Ich käönnte noch Duzende weitere Filme aufzählen. Als ich jedoch Indien verlassen habe, waren die Gelegenheiten, indische Filme zu sehen, sehr selten. Daruch hat sich auch mein GEschmack verändert. In den 80er Jahren sah ich nur einen einzigen Bollywood-Film; "Mr India"; und auch in den 90er Jahren waren es nicht viel mehr. Erst in der letzten Zeit versuche ich, mich über den aktuellen Stand und die Entwicklung auf dem Laufenden zu halten. "Lage Raho Munnabhai" ist ein toller Film; ebenso "Iqbal". "Rang De Basanti" hingegen hat mir nicht gefallen; schon aber "Lagaan", obwohl ich nicht behaupten würde, dass der Film oscar-verdächtig ist.

 

BNA: Sie sind sehr international: Geboren in London, haben Sie Schulen in Mumbai, Kalkutta und Delhi besucht und in den USA studiert. Wie tief sind Sie mit der indischen Kultur verwurzelt?

Shashi Tharoor: Ich lebte in Indien im Alter von zweieinhalb Jahren bis zu meinem neunzehnten Lebensjahr. Diese Jahre sind die wichtigsten in der Entwicklung deiner Persönlichkeit und deiner Identität und der Verwurzelung mit der Kultur.

 

BNA: Welche Kultur hat den meisten Einfluss auf Ihre Art zu denken und Ihr Verhalten ausgeübt?

Shashi Tharoor: Zweifellos Indien.

 

BNA: Wenn Sie drei Wünsche für die Welt hätten; welche wären es?

Shashi Tharoor: Frieden, Wohlstand und ein größerer Austausch zwischen den Menschen, Gütern /Waren, Ideen, Büchern und Filmen!

 

BNA: Welche drei Dinge wünschen Sie für sich persönlich?

Shashi Tharoor: Erfolg und Glück für meine Kinder, Frieden und Wohlstand für Indien und die Möglichkeit etwas in der Welt zu ändern.

 

BNA: Was glauben Sie, ist das Wichtigste, das Indien machen sollte, um eine große Wirtschaftsmacht zu werden und auch zu bleiben? Was sind die wichtigsten Schritte, um dieses Ziel zu erreichen?

Shashi Tharoor: Unser Volk muss aus der Armut gebracht werden und eine gute Bildung erhalten. Wir sollten unseren Fokus auf die "Hardware" in der Entwicklung richten: Häfen, Flughäfen, Straßen, Infrastruktur. All das kann jedoch nicht geschehen, wenn wir uns nicht um die "Software" kümmern: Gesundheit, Wohlergehen und Bildung der Menschen. Ohne dem hat wirtschaftliches Wachstum keine wirkliche Bedeutung.

 

BNA: Sie können auf eine großartige und einzigartige Karriere zurückblicken. Was möchten Sie in Zukunft noch erreichen? Vielleicht Friedens- oder Literatur-Nobelpreisträger sein?

Shashi Tharoor: Ich hoffe beides! Nein - ich mache Witze. Letztendlich lehrt uns das Bhagavad Gita, das zu tun, was unserem Dharma entspricht, ohne irgendwelche Erwartungen an Zukünftiges. Was zählt ist das, was du leistest und nicht das, welchen Preis du dafür bekommst.

 

BNA: Wie schwierig ist es für Sie, sowohl Ihren Job, als auch Ihr Privatleben unter einen Hut zu bekommen?

Shashi Tharoor: Sehr schwer, aber damit müssen alle Menschen versuchen, zurecht zu kommen. Der eine kommt damit besser zurecht, der andere schlechter. Kein Mensch ist zufrieden ohne beidem: berufliche Befriedigung und private Erfüllung. Auch wenn es nicht immer einfach ist, dies zu erreichen. Wir sollten aber nie aufhören, es zu versuchen.

 

BNA: Vielen Dank, dass Sie sich für dieses Interview Zeit genommen haben. Ich wünsche Ihnen sowohl für Ihre berufliche, als auch private Zukunft alles Gute.

 

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