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Guten Tag, heute ist der 20.06.2018 :: English ::
Sie befinden sich hier: Eventankündigungen / Im Gespräch mit Vikram Chandra / 

Vikram Chandra über „Sacred Games“ ( Der Gott von Bombay)

„Sacred Games“ ist ein Kriminalroman, eine Detektiv-Story und ein Thriller zugleich. Es erzählt die Geschichte vom in Mumbai arbeitenden Polizisten Sartaj Singh, der eines Tages einen anonymen Anruf erhält, bei welchem ihm mitgeteilt wird, dass er die Möglichkeit bekommen könnte, den Don der Unter- welt, Ganesh Gaitonde zu treffen…In dieser Begegnung liegt auch der Kern der Geschichte. Zugleich erzählt Chandra aber auch die Geschichte der Menschen, die in Mumbai leben; erzählt von einer jungen Frau, die Schauspielerin werden will; von einer Witwe und ihren zwei Söhnen und ihren Überlebenskampf in der Armut; von einer gebildeten Frau, die sich die Produktion einer Fernseh-Show durch Schwarzgelder finanzieren lässt…

 

Wie sind Sie auf ein solches Buch gekommen und welche Recherchen zu Bollywood unternahmen Sie, um so detailreich zu erzählen?

Vikram Chandra: Bereits in meinem vorigen Buch führte ich den Polizeiinspektor ein. Im jetzigen Buch weitete ich seine Geschichte aus. Daher kann der Inspektor auch die Aktivitäten der Unterwelt verfolgen. Das ist das, worüber das Buch erzählt. Für dieses Buch recherchierte ich bei Kriminal-Journalisten und der Polizei und erhielt so immer tiefere Einblicke in das Milieu. Während meiner Recherchen habe ich beide Seiten des Gesetzes kennengelernt. (Anm. d. Red.: sowohl Polizei, als auch Mafia). Im Mumbai kennt jedes Kind die Grundzusammen-hänge zwischen Korruption und organisierter Kriminalität.

 

Hatten Sie während Ihrer Gespräche mit der Mafia oder auch jetzt nach Veröffentlichung des Buches keine Angst vor Bedrohungen?

Vikram Chandra: (lacht) Seltsamerweise fragt das mich meine Frau auch immer. Aber die Recherche für das Buch nahm nur zehn Prozent meiner Arbeit als Autor in Anspruch. Das Buch basiert ja nicht nur auf meinen Recherchen, sondern hauptsächlich auf Fiktion. Die Hauptschwierigkeit meiner Arbeit lag darin, die Geschichte auf Papier zu bringen und zum Leben zu erwecken. Dabei möchte ich noch mal betonen, dass der Roman fiktiv und abstrakt ist und keinen direkten Bezug zu konkreten Personen oder Ereignissen hat. Hätte ich allerdings etwas Konkretes geschrieben, hätte ich auch Grund zur Angst. Das schlimmste, was passieren könnte, wäre dass sich die „Company“ persönlich angegriffen fühlt.

 

Wie reagierte Ihre Frau auf das Buch?

Vikram Chandra: Sie war die erste, die es zum Lesen bekam. Zwei Tage später kam sie zu mir und sagte: ’Ich hasse dich dafür, dass du es für mich unmöglich machst, diesen Ganesh nicht zu lieben.’ Das war für mich einer der schönsten Tage in meinem Leben, da es zeigt, dass ich mein Ziel erreicht habe.

 

Welches Ziel war es denn?

Vikram Chandra: Ich habe bei meinen Recherchen eine wichtige Erfahrung gemacht: Man geht an die Recherche ran und denkt: ‚Solche Menschen sind Monster’. Aber je mehr Kontakt ich im Rahmen meiner Recherchen mit der Unterwelt hatte, desto mehr kam ich zu der Erkenntnis, dass die Mafia in einer eigenen kleinen Welt lebt, mit all ihren eigenen Sorgen und Nöten. Sie sind gar nicht so verschieden von Personen wie mir oder anderen. Es macht eigentlich gar keinen Unterschied aus welchen sozialen Verhältnissen jemand kommt, denn alle haben die gleichen Probleme. Ich hoffe und wünsche mir, dass das im Buch klar heraus kommt. Der Leser soll die Handlungen und Beweggründe und auch die Ziele der Mafiabosse verstehen und auch nachvollziehen können. Ich widme das Buch vor allem aber allen „armen Seelen“ von Mumbai, den Helden des Alltags, die ihr Leben trotz teilweise widriger Umstände und der Korruption meistern. Mein Buch soll eine Liebeserklärung an Mumbai sein.

 

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